Sexueller Missbrauch – das Tabuthema

Die Tatorte und die meisten Übergriffe sexueller Gewalt gegenüber Menschen mit Behinderungen finden meistens innerhalb der Wohneinrichtungen der Betroffenen statt. Aber auch außerhalb von Einrichtungen, zu Hause und am Arbeitsplatz ist der Anteil sehr hoch. Ähnlich wie bei nichtbehinderten Menschen, sind auch bei behinderten Menschen vorwiegend bekannte Personen die Täter.  Auffallend ist auch, dass selbst von Mitbewohnern der Wohneinrichtungen Übergriffe ausgehen.
In einer Studie fand man auch heraus, dass der sexuelle Missbrauch bei behinderten Menschen meist längerfristig dauert, als bei nichtbehinderten Menschen. Als Fazit der Untersuchungen kann man davon ausgehen, dass sexuelle Gewalt gegenüber behinderten Menschen in erhöhtem Maße Realität ist und geistig behinderte Menschen zwei bis dreimal mehr Opfer sexualisierter Gewalt werden als nicht behinderte Menschen.

Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen ist – trotz intensiverer Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit – nach wie vor ein Tabuthema, mit dem Betroffene häufig allein gelassen werden.

Wenn sexueller Missbrauch von Kindern in der Presse häufig thematisiert wird, heißt das noch nicht, dass die Tabus, die den Problemkreis lange Zeit umgaben, endgültig gebrochen sind. Die Art der Berichterstattung entscheidet darüber, ob die Leserschaft die Informationen erhält, die eine rückhaltlose und ehrliche Auseinandersetzung mit dieser Form der Gewalt ermöglichen.

Was ist sexueller Missbrauch?

Es ist so, dass der sexuelle Missbrauch einen so großen Bereich umfasst, bei dem so viele verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, dass es für uns eine Herausforderung ist, den Versuch zu starten eine allgemeingültige Definition aufzustellen.

Sexueller Missbrauch an Kindern kann jede sexuelle Handlung sein, die Erwachsene oder ältere Jugendliche an einem Mädchen oder Jungen verüben. Entscheidend ist, dass ein Wissensvorsprung, eine Macht- oder eine Vertrauensposition ausgenutzt wird, um ein Kind zur Befriedigung der eigenen sexuellen Bedürfnisse zu benutzen. Aber auch Blicke oder eine sexualisierte Sprache werden von Mädchen und Jungen oft schon als sexuelle Übergriffe erlebt.

Untersuchungen belegen, dass etwa jedes 4. Mädchen und jeder 10. Junge vor dem 18. Lebensjahr einen sexuellen Missbrauch erlebt.
Es gibt keine Altersstufe, in der sie vor dieser extremen Form der Gewalt sicher sind.


Sexueller Missbrauch – Beginn, Verlauf und Folgen:

Sexueller Missbrauch entwickelt sich meist langsam über einen längeren Zeitraum.
Er geschieht mit und ohne körperliche Gewaltanwendung, hat aber durch das Ausnutzen der kindlichen Unwissenheit und Zuneigung immer etwas mit psychischer Gewalt zu tun.
Sexueller Missbrauch beginnt oft scheinbar harmlos eingebettet in spielerische Situationen und wird dann mit Hilfe von Geheimhaltungsdruck, Einschüchterung und/oder Bestechung meist über viele Jahre fortgesetzt. Es fängt bei kleinen zufälligen Berührungen an und kann bis hin zur Vergewaltigung führen.
Mädchen und Jungen werden dabei isoliert, Kontakte zu anderen weitgehend unterbunden. Je auswegloser ein Kind die Situation erlebt, desto gravierender sind die Folgeschäden.
Häufig verschließen sogar die nächsten Angehörigen die Augen.
Auch andere Personen in der Umgebung der Opfer sind oft nicht in der Lage, den Missbrauch wahrzunehmen und Hilfe anzubieten.
Doch egal auf welchen Fall von Missbrauch man stößt, eins haben sie alle gemeinsam: Sexueller Missbrauch wird immer von Personen ausgeübt, die dem Opfer körperlich, psychisch oder sozial überlegen sind. Der Missbrauch ist nie zufällig, sondern immer geplant.

Therapie kann helfen, das Erlebte zu verarbeiten

Sexuelle Gewalt kann zu schweren seelischen Verletzungen und Beeinträchtigungen führen. Erhalten betroffene Mädchen, Jungen und Erwachsene therapeutische Hilfe, haben sie die Chance, das Erlebte zu verarbeiten und die Folgen zu mindern.

Beratungsstellen helfen und vermitteln

Sexueller Missbrauch kann langfristige Folgen haben, wenn Beratung und Unterstützung ausbleiben. Betroffene Kinder und Erwachsene, ihre Angehörigen und andere Menschen, die sie unterstützen wollen, brauchen kompetente, vertrauliche, schnell und leicht zugängliche Hilfe.


Fachberatungsstellen

Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt e.V.
Damaschkestraße 53, 51373 Leverkusen
Zielgruppen: Mädchen, Frauen, Weibliche Jugendliche (14-18 Jahre), Angehörige / Bezugspersonen, Fachkräfte, Weibliche Flüchtlinge bis 18 Jahre, Weibliche Flüchtlinge ab 18 Jahre, Menschen mit Behinderung
Bereich: Fachberatungsstellen

Allgemeine Beratungsstellen

Beratungsstelle für Familien-, Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen
Knauffstr. 14, 51063 Köln
Zielgruppen: Mädchen, Jungen, Frauen, Männer, Weibliche Jugendliche (14-18 Jahre), Männliche Jugendliche (14-18 Jahre), Angehörige / Bezugspersonen, Fachkräfte, Übergriffige Kinder / Jugendliche, Junge Frauen bis 27 Jahre, Junge Männer bis 27 Jahre, Weibliche Flüchtlinge bis 18 Jahre, Weibliche Flüchtlinge ab 18 Jahre, Männliche Flüchtlinge bis 18 Jahre, Männliche Flüchtlinge ab 18 Jahre, Menschen mit Behinderung

Telefonische Beratungsangebote

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch
+49 (800) 2255530
Website: www.hilfetelefon-missbrauch.de
Bereich: Telefonische Beratungsangebote
kostenfrei aus dem deutschen Festnetz

Kinder-Jugend-Elternberatung
+49 (69) 212-32960
Website: www.kjfh.frankfurt.de
Bereich: Telefonische Beratungsangebote

Nummer gegen Kummer – Kinder- und Jugendtelefon
116 111
Website: www.nummergegenkummer.de
Bereich: Telefonische Beratungsangebote
kostenfrei aus dem deutschen Festnetz und Handy

Nummer gegen Kummer – Elterntelefon
+49 (800) 1110550
Website: www.nummergegenkummer.de
Bereich: Telefonische Beratungsangebote
kostenfrei aus dem deutschen Festnetz und Handy

TelefonSeelsorge
+49 (800) 1110222
Website: www.telefonseelsorge.de
Bereich: Telefonische Beratungsangebote
kostenfrei aus deutschen Netzen

WEISSER RING e.V.
+49 (116) 006
Website: www.weisser-ring.de
Bereich: Telefonische Beratungsangebote
kostenfrei aus dem deutschen Festnetz

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen
+49 (8000) 116016
Website: www.hilfetelefon.de
Bereich: Telefonische Beratungsangebote
kostenfrei aus dem deutschen Festnetz


Bücher zur Selbsthilfe

Auf dieser Seite gibt es eine Liste mit Büchern zur Selbsthilfe.